Re: Antworten

Abgeschickt von Roger Pfau am 17 Oktober, 2003 um 12:22:12:

Antwort auf: Re: Antworten von Stefan am 17 Oktober, 2003 um 04:31:56:

"Vielleicht gibt es das ja, nur Sie nehmen daran nicht teil?"

Sie sprechen vermutlich von Gebet? An die Möglichkeit, daß ein solches Gespräch mangels eines realen Gegenübers auch ein Monolog sein könnte, scheinen Sie dabei nicht zu denken; geschweige denn an einen Dialog zwischen verschiedenen Gehirnteilen?

ein wesentlicher Drehpunkt unserer Diskussion scheint mir darin zu liegen, daß Andreas - und andere hier im Forum - das Wort "Gott" in einer mir recht exakt festgelegt erscheinenden Weise benutzen, wobei ein Eckpunkt die selbstverständliche reale Existenz Gottes ist.

Für mich ist eine Existenzbehauptung nur dann sinnvoll, wenn sie einen realen Existenzerweis nachfolgt, der das eigentlich Kriterium darstellt, gleichgültig von welcher vorgeblichen oder tatsächlichen Autorität die Existenzbehauptung gestützt wird, da alles als existent behauptet werden kann, völlig unabhängig davon, ob es tatsächlich existiert.

Unter "realen Erweis" oder vielleicht besser unter "sich als real erweisen" verstehe ich nicht die Notwendigkeit, einer Aufforderung Folge zu leisten, die darauf hinausläuft, etwas als real zu handhaben und diese Handhabung gegen alle Infragestellung aufrecht zu erhalten, um sie dann später als unhinterfragbar gewordene Prämisse in eine Argumentation einzuspeisen.

Ein Großteil der hier im Forum vertretenen Auffassungen erscheint mir aus diesem Grund zirkulär. Sie stimmen nur - und sind dann natürlich als "Beweismittel" gültig - wenn ein Mensch entschieden hat, daß sie bzw. ihre Grundlagen "wahr" sein sollen. Und es nimmt nicht wirklich wunder - wenn Sie es als Akt des Glaubens auffassen - daß Sie nur Bestätigungen ihres Glaubens erhalten, wenn Sie a priori entschossen sind, alle ihre Erfahrungen rigoros dem abverlangten Deutungssystem zu unterwerfen.

Aufgrund dieser Voraussetzungen scheint mir unser Disput auf verschiedenen Ebenen angesiedelt zu sein. Sie sprechen von einem konkreten, real existenten Gott; ich spreche von Gottesbildern und -vorstellungen und mache diesbezüglich keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Aussagen der verschiedenen heiligen Schriften.

"Diese Interpretation klingt sehr nach dem, was uns im Religionsunterricht erzählt wurde, und was Sie jetzt versuchen wiederzugeben. Würde ich nicht gerade als Lexikon-Eintrag "Glaubenslehre im Christentum" vorschlagen wollen. :)"

Diese Interpretation klingt sehr nach dem, was mir in ausahmalos allen christlichen Gemeinden
als Konsequenz dargestellt wurde, wofern ich Christus nicht im Glauben als Erlöser für mich persönlich annehme.
Es klingt auch nach dem, was Menschen widerfahren soll, die nicht als Muslim sterben.

"Gott möchte, dass wir seinen Worten aus freiem Willen folgen. Wenn Gott beweisbar wäre, könnte man nicht mehr von freiem Willen reden."

Abgesehen davon, daß der erste Teil wieder zirkulär ist: ich habe also - diesem Argument zufolge - nicht die Möglichkeit, mich einem Autokauf zu verweigern, nachdem mir der Verkäufer das Modell in Realität vorführt, das ich bisher nur aus den Werbeprospekten kenne?

Was ich mit "Gott sehen" meine? Vieles Mögliche und nichts Spezielles. Wie wäre es mit einer Stimme im Kopf? Wie währe es mit Visionen alla Jesus/Mohammed? Vieles wäre möglich; aber das, was sich seit je und je als mißbrauchbar und mißbraucht erwiesen hat, es soll die einzig akzeptable Weise sein, sich "ihm" zu nähern? Nicht überzeugend.

"Seele" ist aus meiner Sicht der Dinge ein Wort, mit dem einige Phänomene subsummiert werden. Ob es eine Seele in einem ontologischen Sinne, oder ob es nur die Phänomene gibt, ist mir ziemlich gleichgültig. Und auch die Frage, ob es nach meinem körperlichen Ableben etwas gibt, dem aus meiner Sicht der Begriff "Ich" zukäme, möchte ich anhand der Realität entscheiden lassen.

Wissen Sie, in gewisser Hinsicht traue ich, der Atheist, einem Gott mehr zu als ein gläubiger Mensch. Solange er sich nicht real erweist, kümmere ich mich nicht um ihn. Wenn er eines schönen Tages beschließen sollte, sich als real zu erweisen, wird er gewiß nicht mit dem ganzen Unfug kommen, sondern von Herz zu Herz sprechen. Davor ist mir nicht bange. Das ist aber auch schon meine größte Annäherung an etwas, das Sie vielleicht "Gläubigkeit" nennen würden, bei mir jedoch der Vermeidung absoluter Aussagen hinsichtlich Existenz oder Nichtexistenz entspringt.


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